„Voll normal“ – Zum dritten Mal beim CSD Zwickau

Inzwischen ist es schon zur festen Tradition geworden: Zum 3.Mal sind Grüne aus dem Nürnberger Land beim CSD in Zwickau mitgelaufen. Entstanden war dies über die persönliche Verbindung eines Aktiven aus Schwarzenbruck nach Sachsen.

Um gerade auch kleinere Initiativen im ländlichen Raum bei ihrem mutigen Kampf um Demokratie zu stärken, nehmen seitdem Mitglieder des grünen Team Vielfalt an verschiedenen Pride-Umzügen teil.
(Toll: In diesem Jahr waren es bundesweit über 500!)

Auch in diesem Jahr wurde dem bunten Zug der ca. 600 Menschen, angeführt vom Wagen der Grünen, durch die Zwickauer Innenstadt neben skeptischen Blicken viel Zustimmung von Menschen am Straßenrand oder in Fenstern, von Geschäften bis zur Stadtpolitik gezeigt.

Der grüne Pride-Wagen, geschmückt mit Regenbogengirlanden und -fahnen. Darauf stehen von links Elina (CoVorsitzende der Grünen Jugend Zwickau), Cornetta Storz (Landes-CoVorsitzende Sachsen) und weitere Aktive

So bekannte auch die Oberbürgermeisterin Constanze Arndt: „Ich stehe für Vielfalt!“
Im Demozug und auf den Bühnen folgten viele mit Kleidung oder offenen Beziehungsgesten dem Demo-Aufruf, miteinander zu zeigen, „dass bunt und schräg auch „voll normal“ sein kann!“

Die Dresdner Travestiekünstlerin Betty D. Fort eröffnet schwungvoll im grünen Rüschenmantel und Regenbogenfahne die Hauptkundgebung vor der Bühne

Gleichzeitig war auch manche Scheu zu spüren – wie diese Person, die wohl lieber nicht erkannt und wiedererkennbar sein wollte.

Demoteilnehmer*in mit schwarzer tierkopfähnlicher Maske von hinten

Der Vertreter vom antifaschistischen Projekt Support des RAA, einem Unterstützungsangebot für Opfer rechtsmotivierter, rassistischer oder antisemitischer Gewalt, weiß: Aufgrund realer Gewaltdrohung müssen queere Menschen ständig diesen Spagat zwischen dem Wunsch, offen zu leben, und Selbstschutz“ leisten.

Als Vertreterin der Grünen sprach MdL Katja Meier. Auch wenn sie „privilegiert“ offen in einer lesbischen Ehe leben kann, fühlt es sich auch für sie nach dem Anschlag von Berlin anders an. „Berlin war ein Angriff auf uns alle. Trotzdem müssen wir genauer hinschauen: Das Ziel war queeres Leben.“ Damit kritisierte sie auch Bundeskanzler Merz, der das Attentat von Berlin als Angriff auf unsere freiheitliche Gesellschaft einordnete und verächtliches Reden als Beginn solcher Gewalt benannt hatte – während er gleichzeitig selber vor 1 Jahr die Regenbogenfahne am Bundestag abgelehnt hatte mit der Begründung: „Der Bundestag ist kein Zirkuszelt.“

links Katja Meier, die sächsische Landtagsabgeordnete, in schwarzer Blumenbluse,
und roten Schuhen
rechts daneben Susanne Pannewick, Altdorfer Ortsprecherin, mit buntem Hut und Regenbogenfahne als Umhang

Politisch forderte die gebürtige Zwickauerin die Aufnahme queerer Menschen in das Diskriminierungsverbot im Grundgesetz Art.3: Denn als einzige Opfergruppe des Naziterrors wurden sie hier bis heute nicht genannt. (Und wurden sogar mit §175 gesetzlich mit Strafe bedroht.)
Außerdem betonte die Grüne Landespolitikerin die Wichtigkeit, Demokratieprojekte weiter zu fördern – „das ist kein Luxus in guten Zeiten“.

Am Rand konnte unsere Ortssprecherin Susanne Pannewick den Tag für überregionale Kontakte nutzen:
zur sächsischen Landtagsabgeordneten Katja Meier, zur Landes-CoVorsitzenden Coretta Storz, zu Elina Alowyn Beyer, der frisch gewählten und hochmotivierten CoVorsitzenden der Grünen Jugend Zwickau, und weiteren Aktiven.


Am Infostand der Grünen stehen von mehrere Zwickauer Aktive, ganz links Elina, die neue Kreis-CoVorsitzende der Grünen Jugend, ganz rechts Susanne Pannewick, hinter ihnen die Fahne der Grünen Jugend

Als besondere Impulse zur Weiterarbeit im Nürnberger Land nehmen wir zwei Gedanken mit:

→ den Wunsch nach einer „Gesellschaft, in der wir uns mit Neugier begegnen“

→ die Zuversicht Unsere Angst können wir teilen und unseren Mut bündeln!“