„Ohne Fahrer mit Migrationshintergrund wären wir aufgeschmissen“  – Besuch bei Merz-Reisen

Modern und menschlich – so präsentierte sich das mittelständische Busunternehmen Merz- Reisen bei unserem Besuch.
Im kleinen effektiven Verwaltungsteam läuft vieles digital und mit Engagement. Auf Monitoren sehen die Disponenten in Echtzeit, wo die Busse unterwegs sind, ob Verspätungen drohen oder im Reiseverkehr noch Plätze frei sind.

Eingeladen hatte Geschäftsführer Ralf Schneider, nachdem Silke Roth als Mitglied in unserem AK Mobilität für ein Praxisproblem beim Rufbussystem um Klärung gebeten hatte – was umgehend erfolgt war. (Sie konnte ohne eigene Buchung in einem Rufbus nicht mitfahren, obwohl viel Platz war – jetzt ist klar: Man kann auch ohne Buchung in einem Rufbus mitfahren – wenn Platz ist.)

Silke Roth, Dieter Pletz und Alexander Prietzel sitzen im Kleinbus auf dem Weg vom Büro zur Bushalle. Dieter Pletz macht Daumen hoch.

Insgesamt beschäftigt das Familienunternehmen rund 100 Personen, ca. 80 Prozent davon mit Migrationshintergrund. „Ohne Fahrer mit ausländischen Wurzeln wären wir aufgeschmissen“, so Schneider.
In der Firma gelingt Integration selbstverständlich, wenngleich ausländerrechtliche Hürden sie manchmal verhindern: „Wir mussten Fahrer aus dem Kosovo entlassen, weil sie ab dem Alter von 50 Jahren ein Gehalt von 5.000 Euro haben müssten – realitätsfern in unserer Branche.“

Technisch fährt Merz Reisen vorausschauend: Linienbusse in Altdorf und Reisebusse werden mit HVO-Biodiesel betrieben – einem Kraftstoff aus Abfallfetten und Lebensmittelresten. Elektromobilität wäre für Schneider der nächste Schritt, doch dies war in der Ausschreibung nicht vorgegeben und die aktuellen politischen Rahmenbedingungen wirken da verunsichernd. „Es gibt noch keine geeigneten dezentralen Lademöglichkeiten im ländlichen Raum. Investitionen planen ist im Moment schwierig“, betont er.

Dieter Pletz sitzt am Fahrersitz eines Kleinbusses und schnallt sich lachend an, Ralf Schneider steht daneben und erklärt ihm, wie er den Bus starten kann.

Auch der Alltag im Linienverkehr war Thema: Digitale Systeme unterstützen die Fahrer, Dashcams im Fahrerraum sorgen bei Beschwerden für faire Klärung.
Die Frage aus Gesprächen am grünen Infostand zur Bezahlung im Bus gibt Rolf Michler direkt weiter an Geschäftsführer Schneider.

Rolf Michler spricht im Kleinbus mit Ralf Schneider, zwischen ihnen ist das Bezahlgerät für Bargeld.


Die Antwort: In allen Bussen kann man bar bezahlen.
Dieter Pletz fragte nach, ob auch Ausweitung auf zeitgemäße Kartenzahlung möglich ist? Das hält Schneider für technisch möglich, es müsste aber vom Landkreis so bestellt werden.

Ein besonderes Anliegen hat Schneider noch: öffentliche Toiletten an Endhaltestellen für Fahrer und besonders Fahrerinnen – „das ist ein echtes Thema im Alltag“.
Merz-Reisen gilt als beliebter Arbeitgeber, auch weil die Leitung mit anpackt, wenn Personal fehlt.

„Wir sind beeindruckt von einem Familienbetrieb, der Tradition, Innovation und sozialen Zusammenhalt verbindet“, fasst Dieter Pletz die Eindrücke der grünen Gruppe zusammen.


Ganz zum Schluss kommt noch eine weitergehende Idee ins Gespräch: Da Kassieren und Abrechnung enormen Aufwand bedeuten, könnte kostenloser ÖPNV eine bürokratische Entlastung sein, die zugleich diese ökologische Mobilität erleichtert – wie es Schneider aus Luxemburg kennt. Während er sich als Unternehmer klar politisch neutral hält, nehmen wir dies als Idee mit.

Die grüne Gruppe steht mit Ralf Schneder neben einem Kleinbus und spricht miteinander.

Fragen und Beschwerden zum Busverkehr können gerichtet werden an: