Mit rund 250 Menschen konnten wir in Altdorf am 9.Mai ein starkes Zeichen setzen: Gewalt gegen Frauen darf nicht sein! Sie ist kein privates, sondern ein allgemeines gesellschaftliches Problem.
Gestärkt wurde unser Zeichen durch eine besondere Verbindung nach Berlin: Collien Fernandes hatte am Vortag bei ihrem Instagram-Post über einen aktuellen juristischen Erfolg zu ihrem Fall die vielen Demos in Deutschland als Zeichen weitverbreiteter Wut genannt. Dabei hatte sie neben einer weiteren Demo in Berlin auch unsere in Altdorf angekündigt – was für ein starker Zusammenhang!
Vielfältige Beiträge und klare politische Botschaften
Die Kundgebung war geprägt von eindrucksvollen Redebeiträgen, Kunst, Musik und großer Solidarität unter den Teilnehmenden – mehrheitlich Frauen, aber auch viele Männern.
Und vielen Fahnen und Schildern:




In der Einführung ordnete dann Petra Winterstein (OV Schwarzenbruck) konkrete frauenfeindliche Verhaltensweisen und Vorgänge ganz klar ein: „Das ist nicht normal!“ Dabei benannte sie auch ausdrücklich die Beschämung von Frauen mit dem sog. „Matschgerla-Wagen“ in der Nachbargemeinde Leinburg. Sie beschrieb, warum Gewalt gegen Frauen auf dem Land und fehlende Hilfsangebote es Frauen noch schwerer machen, Gewaltsituationen zu verlassen.
Die Kommunalpolitikerin führte im Anschluss klar und engagiert durch das Programm.

Dr. Bianca Pircher (Fraktionssprecherin von Bündnis 90/Die Grünen im Kreistag) beschrieb vielfältige alltäglich Gewalterfahrungen von Frauen. Sie bekräftigte ihre Forderung nach einem eigenen Frauenhaus im Nürnberger Land.

Angelika Brandstätter (Mitbegründerin und Vorständin des Frauenhauses Schwabach) bestätigte: Diese auch fürs Nürnberger Land zuständige Einrichtung muss ständig hilfesuchende Frauen abweisen. Außerdem machte sie auf die prekäre finanzielle Situation dieser wichtigen Einrichtung aufmerksam, die mit einem großen Anteil von ehrenamtlicher Arbeit getragen wird.

Ruth von den Streikkompliz*innen, einem feministisches Netzwerk aus Nürnberg, beschrieb einfühlsam die psychischen Wirkungen von Gewalt.

Rebecca Lenhard (MdB und Sprecherin für Digitales der Bundestagsfraktion) beschrieb anhand ihrer eigenen Facebookseite, wie Hassreaktionen Menschen zum Verstummen bringen. Den Rat, dann eben die Kommentarfunktion auszuschalten, setzte sie sich entschieden entgegen: „Verstummen ist keine Lösung!“ Sie setzte sich für Regulierungen gegen Hass ein.

Sonja Ständner (OV Altdorf) berichtete von eigenen Gewalterfahrungen, als Kind, im Internet und als junge Frau in der Politik.
Sie wählte bewusst Leichte Sprache. Ihre Begründung:
„Jede Person muss die Möglichkeit haben, zuzuhören, mitzufühlen und mitzureden.
Gewalt gegen Frauen geht alle an.“
Ihr Appell: „Auch Männer können helfen. Männer können sagen: Das ist falsch.“

Christine Kischka (Erzieherin Wichernhaus Altdorf) thematisierte als Verbündete stellvertretend Gewalt gegen Frauen und Mädchen mit Behinderungen. Sie beschrieb konkrete Gewaltgeschichten – und ihr gemeinsames Engagement mit Kolleginnen zur Stärkung von Mädchen und Frauen und zur Sensibilisierung von Mitarbeitenden im Wichernhaus.

Abschließend sprach auch der Initiator der Demonstration, Kai-Uwe Kuwertz (OV Schwarzenbruck). Sein Ausgangspunkt war das eigene Gefühl angesichts männlicher Gewalt: „Ich bin ratlos und wütend.“ Und die Forderung: Für Männer reicht es nicht mehr aus, lediglich keine Täter zu sein – sie müssen sich aktiv gegen strukturelle Gewalt und die Benachteiligung von Frauen positionieren.

Ergänzt wurde das Programm durch kulturelle Beiträge.
Der engagierte Altdorfer Musiker Jörg Szameitat trug passende Lieder bei.

Die preisgekrönte Poetry-Slammerin Maron Fuchs ließ in ihrem Beitrag “10 Sekunden“ die Menge durch 9 Sekunden langes Innehalten nachempfinden, welche Zeitspanne italienische Richter bei körperlichen Übergriffen eines Hausmeisters an einer Schülerin als unabsichtliche spaßige Berührung ansehen und deshalb straffrei stellten.

Die Altdorfer Sprachkünstlerin Eva Mikeska warb für gemeinsamen Einsatz gegen Gewalt: „Lasst uns hinsehen, was in unserer Gesellschaft passiert – damit Täter nicht zu Tätern werden, weil sie wissen, dass sie gesehen werden!“

Breites Bündnis und starke Netzwerke
Organisiert hatte ein Team aus dem Kreisverband Nürnberger Land.

Dem Aufruf angeschlossen hatte sich ein breites Bündnis aus zivilgesellschaftlichen und politischen Organisationen: Frauennotruf Nürnberger Land, Frauenhaus Schwabach, die Linken Nürnberger Land, ÖDP Nürnberger Land, SPD-Ortsverbänden Altdorf und Schwarzenbruck, Grünen Jugend Nürnberger Land, Team Vielfalt Nürnberger Land sowie Terre des Femmes.
Mit Infoständen waren das Frauenhaus Schwabach, der Verein „Hilfe für Frauen und Kinder in Not im Nürnberger Land“ und die Grantifa aus Nürnberg anwesend.


Die große Beteiligung und die vielen unterstützenden Beiträge haben eindrucksvoll gezeigt, wie stark gesellschaftlicher Zusammenhalt sein kann. Innerhalb von nur fünf Wochen entstand so aus einer Idee eine beeindruckende Demonstration.
Auch unsere Altdorfer Fraktion war vollzählig dabei:

Wir werden lauter
Die Demonstration in Altdorf war ein wichtiges Zeichen: Wir sind viele – und wir werden lauter. Gewalt gegen Frauen darf nicht länger tabuisiert, kleingeredet oder ignoriert werden.
Betroffene brauchen Schutzräume, Unterstützung und eine Gesellschaft, die hinsieht statt wegzuschauen. Denn Schweigen schützt nicht die Betroffenen – Schweigen schützt die Täter.