Mödlareuth grenzenlos bunt – mit dem Altdorfer Netzwerk am Demokratiefest

Mödlareuth wird auch „Little Berlin“ genannt, weil es wie die Hauptstadt in DDR-Zeit von einer Mauer zerrissen war. Bis heute ist das kleine Dorf aufgeteilt zwischen Thüringen und Bayern. Als Ausdruck des Zusammenhalts feiert seit der Wende das Bündnis „WIR im Land“ jährlich dort den 3.Oktober als Tag der Deutschen Einheit. Seit einigen Jahren müssen sich die Aktiven damit zugleich behaupten gegen die AfD, die diesen Tag und Ort nutzt, nicht um zu einen, sondern um auszugrenzen und zu spalten.
Demgegenüber bietet das „Demokratiefest“ ein vielfältiges Programm aus Reden und kulturellen Beiträgen im Rahmen von Info- und Mitmachstände – ein starkes Zeichen für ein weltoffenes Miteinander.

rechts einige weiße Porzellantassen, teilweise mit Goldrand, links daneben ein Becher mit bunten Porzellanstiften zum Bemalen. Auf einer Tasse sind Teile des Spruchs FCK NZS zu lesen.


Das „Netzwerk Altdorf verbindet“ hatte zu einer gemeinsamen Fahrt eingeladen, um dieses Demokratieprojekt zu unterstützen und den überregionalen Austausch zu Gleichgesinnten zu suchen – mit dabei waren auch wir als Teil des Netzwerks.

Ein Selfie mit 3 Altdorfer*innen auf dem Festplatz, im Hintergrund die Bühne mit einer Band und der Parteienpavillon

Zum anspruchsvollen und vielfältigen Programm gehörte:

  • eine ökumenische Andacht mit Visionen des friedlichen Zusammenlebens von Jesaja bis John Lennon
  • eine zugleich launige und tiefsinnige Moderation durch die Schauspieler Kai Schumann und This Maag
  • ein Einstieg des bekannten Schirmherrn Marc Raschke. Mit dem spannenden Satz „Ich mag Mauern – wenn das Fundament stimmt“ sprach sich der engagierte Journalist – in Abgrenzung zum sichtbaren DDR-Mauerrest unten in der Dorfmitte – für den Erhalt der sogenannten Brandmauer gegen Rechts aus: Sie hat das Grundgesetz als Fundament. „Jede Feuerwehr weiß, dass es Quatsch ist, solche Mauern einzureißen.“
    Er zitierte Hape Kerkeling, der vor kurzem als Angehöriger eines KZ-Überlebenden im Thüringer Landtag für ein AfD-Verbot gesprochen hatte: „Wer schweigt, wenn die Demokratie angegriffen wird, hat sich schon für eine Seite entschieden.“
  • Redebeiträge auch zur Deutschen Einheit mit Erfahrungen aus der Wendezeit 1989/90, z.B. Ralf Hron (ehemaliger Bürgerrechtler und aktuell sächsisches DGB-Vorstandsmitglied) mit Verweis auf die AfD-Veranstaltung am anderen Dorfende: „Das, was da drüben stattfindet, ist nicht das, was wir in der Bürgerbewegung wollten!“

In der Veranstaltung war Vielfalt und Zusammenhalt nicht nur das Thema, sondern in der Art der Gestaltung spürbar:

  • als sicher aufwendiges Gemeinschaftsprojekt verschiedener Gruppen aus Bayern, Sachsen und Thüringen
  • mit einem gemeinsamen Pavillon der beteiligten demokratischen Parteien
Das weisse Dach eines Pavillons mit der Überschrift „Gemeinsam für Demokratie und Vielfalt“ und dem Logo der Parteien: BÜNDNIS90/DIE Grünen, Die Linke, Die PARTEI, Piratenpartei, SPD, Volt
  • mit vielfältigen Stimmen von Kirche bis DGB, sachlich und persönlich (besonders berührend: Kai Schumann teilte am Schluss seine persönliche Betroffenheit von Rassismus, der ihm immer wieder schmerzlich die Zugehörigkeit zu seiner Heimat abspricht)
  • mehrere inklusive Musikgruppen wie die Sambaband „Como Vento“ aus Altenburg mit dem erlebbaren Motto „Wir trommeln für Inklusion ohne Diskussion“
    https://www.johanniter.de/juh/lv-sat/rv-ostthueringen/como-vento/
  • ein spontaner gemeinsamen Auftritt zweier Bands „aus dem wilden Osten“

Die Bühne mit einer Band, davor mehrere Bierbankreihen voller Menschen, links 2 grüne Fahnen, rechts eine rote

Wir haben nicht nur viel gehört, sondern vor allem viel erlebt an diesem Tag:

  • Anspruchsvolles kann leicht sein.
  • Lachen nimmt nichts vom Ernst – im Gegenteil.
  • Zuhören und Teilen macht stark
  • Zusammenhalt ist nicht immer leicht – aber wir brauchen ihn mehr denn je!

Was nachklingt ist das ausgelassene Tanzen am Ende des Tages – es bestärkt uns im Zusammenhalt auch in Altdorf über das Netzwerk-Altdorf-verbindet. Wir werden uns weiter einsetzen in diesem Bündnis, kreativ und gemeinsam für unsere angegriffene Demokratie.