Zu unserem 4. „Kino-mit-Tiefgang“ mit dem Dokumentarfilm über Frauen in der westdeutschen Bundespolitik kamen diesmal hauptsächlich weibliche Interessierte.
„Politik ist eine viel zu ernste Sache, als sie allein den Männern zu überlassen.“ (Käte Strobel)
An dieses Zitat von Käte Strobel 1959 vom Filmplakat knüpfte Dr. Bianca Pircher bei ihrer Einführung an. Dazu erzählte die Landratskandidatin gleich von ihren eigenen Eindrücken, als sie sich näher mit der Politik auf Kreisebene beschäftigen wollte: „Selbst wenn man aktiv nach Informationen sucht, findet man oft: nichts“, so Pircher. Keine digitale Nachvollziehbarkeit, kaum Zugang für Bürgerinnen und Bürger. Das habe sie bewogen, anzutreten – damit politische Entscheidungen nicht länger im Verborgenen getroffen werden, sondern für alle nachvollziehbar sind.
Ob Klimaschutz, Mobilität oder Gleichstellung: Für Pircher gehören diese Themen ins Zentrum einer zukunftsgerichteten Landkreispolitik. Wenig ambitionierte Argumente, wie das eines Kreistagsmitglieds für die Ausdünnung statt Erweiterung des Busangebots – „Die Verkehrswende passiert nicht auf dem Land und nicht mit dem Bus.“ – zeigen für Pircher exemplarisch, wie wenig Gestaltungswille derzeit in der Kreispolitik vorhanden ist. Dagegen will die grüne Spitzenkandidatin mit ihrem Motto „Politik.sichtbar.machen“ „ein Gegenangebot machen – eine unbequeme, progressive, weibliche Wahl bieten“.

„Politik ist unweiblich“ (eine Deutschlehrerin zu einer späteren Spitzenpolitikerin)
„Wir brauchen keine neue Raketen. Wir brauchen neue Männer in diesem Land“ (Waltraud Schoppe)
Die Verbindung zum Film war deutlich: Unbequem waren nicht nur die politischen Kämpferinnen für die Männer, unbequem war es vor allem auch für sie.
Der Film ließ anschaulich nacherleben, was Frauen in den ersten Jahrzehnten des Bundestags erst als Einzelkämpferinnen, dann auch als Verbündete über Parteigrenzen hinweg auszuhalten hatten: Sie wurden als Frauen nicht ernst genommen, bei engagierten Bundestagsreden ausgelacht und waren als Abgeordnete wie Journalistin dreisten sexistischen Übergriffen ausgesetzt.
Gezeigt wurden aber auch eindrucksvolle Auftritte wie die erste Bundestagsrede der frisch gewählten Grünenpolitikerin Waltraud Schoppe zum Abtreibungsrecht – mit deutlicher Kritik an patriarchalen Gesellschaftsverhältnissen.
„Ein Appell, aktiv zu werden!“ (Bianca Pircher)
Im Nachgespräch zum Film wurde Anerkennung deutlich für die Kraft dieser Pionierinnen deutscher Politik. Auch der andere Politikstil mit einem anderen Umgang mit immer vorhandener persönlicher Betroffenheit z.B. von Kriegserlebnissen bei der Frage der Nachrüstung hatte die Runde beeindruckt. Besonders spürbar bei der grünen Ikone Petra Kelly, über die Joseph Beuys im Film sagt: „Menschsein ohne Inhibitition“.
Bianca Pircher erwähnte dazu die Bedeutung von Strukturen wie dem grünen Frauenstatut, das eine hälftige Beteiligung von Frauen an politischen Entscheidungen gewährleistet.
Am Schluss stand die Bestärkung für das politische Engagement von Frauen mit einem Schlussgedanken des Films, der angesichts des Rechtsrucks eine sehr realistische Erfarung enthält:
„Wenn wir heute nichts tun, leben wir morgen wie vorgestern“