Ökologische Renovierung: konversativ im besten Sinne

Wie schön, wenn Aktionen Reaktionen hervorrufen: Auf unser Angebot für weitere Informationsmöglichkeiten zu unserer Besichtigung einer ökologischen Hausrenovierung hatten sich mehrere Interessierte gemeldet. Dank der Bereitschaft von Familie Ullmann (trotz Zeitdruck kurz vor dem Einzug der Mieter*innen in die 2.Wohnung) konnten wir so einen weitere öffentliche Besichtigung dieses eindrucksvollen mehrjährigen Renovierungsprojekts anbieten. Genutzt wurde sie von einigen Menschen, die in ähnlicher Situation vor der Frage stehen: Was macht man mit einem alten Haus?

Mit Erzählungen und Fotos ließ der Bauherr die Geschichte des Hauses lebendig werden: Nach Flucht bzw. langjähriger russischer Kriegsgefangenschaft nutzten Ullmanns Eltern 1955 die Möglichkeit, sich mit einem eigenen Haus eine Lebensgrundlage in Altdorf zu schaffen. Neben mehreren baugleichen Häusern erbaute die Familie in wörtlicher Handarbeit ein Zuhause für die Großfamilie. Aus heutiger Sicht in einfachen Verhältnissen: 1 Zimmer mit Waschbecken für die Großeltern, Schlafzimmer mit Wohnküche für Eltern mit Kindern. Im Keller ein Kochbottich für die Wäsche. Später waren dann mehrere Erweiterungen möglich.

Das Besondere an der aktuellen Renovierung: Klaus Ullmann legte Wert darauf, alte Materialien wie die Dachziegel soweit wie möglich weiterzuverwenden. Heraus kamen auch Details wie die Nutzung von Biberschwanz-Ziegeln als Abtropfschutz auf den Fenstersimsen.

Andererseits kam modernste ökologische Technik wie eine Wärmepumpe, Lüftungsanlage und Photovoltaik zum Einsatz.  

Eine wesentliche Frage kam im Gespräch auch auf: Lohnt sich diese Mühe mit einem alten Haus? Ist es nicht leichter, gleich neu zu bauen? Darauf konnte Klaus Ullmann neben Kostengründen (er schätzt für einen Abriss mit Neubau ein Drittel Mehrkosten) seinen ganz menschlichen Grund für die sorgsame Sanierung nennen: „Ich wollte die Arbeit meiner Eltern nicht zerstören.“
Darin wurde eine eindrucksvolle Achtung sowohl vor den materiellen Ressourcen wie der Arbeit der Vorfahren deutlich.

In einem solchen Respekt vor natürlichen und menschlichen Schätzen zeigt sich, wie sehr ökologisches Denken konservativ im besten Sinn ist!

→ Weitere Details zur Renovierung finden sich im Bericht zur 1.Besichtigung: https://gruene-altdorf.de/2025/02/17/heizungsgesetz-hilft-wir-besichtigen-ein-oekologisch-saniertes-wohnhaus-in-altdorf/
→Es besteht weiter die Möglichkeit, bei Herrn Ullmann Fragen zur technischen Durchführung und Fördermöglichkeiten zu stellen – wir vermitteln den Kontakt über ortsverband@gruene-altdorf.de .