
Seit Jahren beschäftigt sich unsere Stadtratsfraktion mit dem Thema Landwirtschaft: Regelmäßige Einladungen zu Gesprächsrunden, Hofbesichtigungen (zuletzt bei Familie Rupprecht) und nun ein Kinofilm für den gemeinsamen Blick auf die schwierige Situation der Landwirtschaft. Das Interesse war groß, der Bürgertreff voll. Entsprechend engagiert verlief das anschließende Filmgespräch.

Bereichert wurde es durch Beiträge von Vera Wittmann und Günter Schmoll vom Weidehof in Pühlheim.
Der Film: „Bauer unser“.
(auch anzuschauen unter:https://www.youtube.com/watch?v=vl_O5DRyZ0A)
Mit Bildern von Fließbändern und Melkrobotern zeigt der preisgekrönte österreichische Dokumentarfilm die realen industriellen Produktionsbedingungen – die so gar nicht zu unserem Werbe-Bild von der Naturverbundenheit landwirtschaftlicher Produkte passt.
Gezeigt wird, wie verschiedenartige Betriebe ums Überleben kämpfen. „Der Zwang zum Wachsen erfasst jetzt auch die letzten. Der Druck ist groß,“ benennt ein Landwirt die Situation.
Die Folge:
- In Europa schließen jedes Jahr über 350.000 Bauernhöfe.
- Umgekehrt hat sich seit 1970 die durchschnittliche Hofgröße in der EU fast verdoppelt.
- Höfe, die sich dem Druck beugen, geraten nicht selten in eine Verschuldungsfalle.
- Menschliche Tragödie dazu: z.B. in Frankreich ist Bäuer*in der Beruf mit der höchsten Selbstmordrate.
„Wenn wir so arbeiten, wie wir das in den letzten 50 Jahren getan haben, werden wir in den nächsten 50 Jahren die Menschheit nicht ernähren können und wir werden die Erde ruinieren“, fasst Benedikt Härlin von der Zukunftsstiftung Landwirtschaft zusammen.
Als Alternative wird ein kleiner Hof mit einem Mix von Viehhaltung und Gemüseanbau gezeigt, der aufgrund der Vielfalt unterschiedlich wetterempfindlicher Tiere und Pflanzen Wetterschäden leichter ausgleichen kann.
Außerdem gilt für kleine Betriebe tendenziell eine überraschende Feststellung aus dem Film: Die effektivste Form, auf kleiner fruchtbarer Fläche ein Maximum an Nährstoffen bzw. Kalorien hervorzubringen, ist Gartenbau, nicht die industrielle Erzeugung.
Nicht ganz unbedeutend dabei: Unsere Rolle als Konsument*innen – die „in der Stunde der Wahrheit“ am Kaufregal meistens nur auf den Kaufpreis achten. „Damit man das neueste Handy kaufen kann und eine richtig fesches Auto fahren kann, darf das Lebensmittel nicht zu teuer sein, “ benennt Benedikt Härlin unseren Beitrag auf den Preisdruck für die Höfe.
Unsere Diskussion:
„Wir sind Zünglein an der Waage mit unserer Kaufentscheidung“, griff Vorstandsmitglied Aaron Mühlendyck als Moderator diese Macht in unserem Geldbeutel auf.
Vera Wittmann und Günter Schmoll vom Weidehof in Pühlheim kennen den Druck zum Wachsen schon aus ihrer Kindheit: Immer wieder hieß es: Ihr braucht jetzt mehr Kühe zum Überleben!

(https://www.facebook.com/p/Weidehof-Schmoll-Wittmann-100064644014038/?locale=de_DE
Zu ihrem Überlebensrezept gehört v.a.:
- Selbstvermarktung: Das erfordert natürlich vielfältige Fähigkeiten:Man muss ein Rind füttern, schlachten und dann noch selber den Verkauf organisieren…
- Und eine gewisse Bescheidenheit: „Wir haben ein Auskommen, das reicht uns.“ (Allerdings geht das leichter, wenn nur 2 Menschen vom Verdienst leben müssen…)
Nach einer längeren Diskussion über verschiedene politische Steuerungsmittel stand dann doch als ermutigender Appell am Schluss:
Wir können mitentscheiden, bei wem wir kaufen und welche Wirtschaftsform wir deshalb stärken. In Altdorf besteht jedenfalls die Möglichkeit, sowohl bei Einzelhöfen wie dem Pühlheimer Weidehof als auch am Bauernmarkt kleine naturnähere Wirtschaftsformen zu unterstützen.
BAUER UNSER ist ein Film, der Lust macht, dem Bauernhof ums Eck einen Besuch abzustatten, bewusst heimische Lebensmittel zu genießen – und auch als Konsument*in das Bekenntnis abzulegen: “Bauer unser”.